Balkonkraftwerk: Sicherung fliegt raus? FI oder LS erkennen

Armen Ter-Oganezov · 01. Juli 2026

Sicherungskasten mit FI- und LS-Schaltern

Steckst du dein Balkonkraftwerk ein und die Sicherung fliegt raus? In den allermeisten Fällen ist es der FI-Schalter, nicht der Leitungsschutzschalter, und die häufigste Ursache ist Feuchtigkeit, nicht zu viel Strom. Das ist wichtig, weil beide Sicherungen völlig verschiedene Dinge bedeuten. Finde also zuerst heraus, welche ausgelöst hat.

FI oder LS? Zuerst die richtige Sicherung finden

Im Verteilerkasten sitzen zwei Arten von Schutzschaltern:

Hinweis: In neueren Anlagen gibt es auch Kombigeräte (FI/LS bzw. RCBO), die beides in einem schmalen Gehäuse vereinen.

Fast immer der FI, und was das heißt

Wenn ein Balkonkraftwerk eine Sicherung auslöst, ist es fast immer der FI. Das bedeutet: kein Überlastproblem, sondern ein „Leck” im System, ein Fehlerstrom.

Dass „zu viel Leistung” die Ursache ist, ist übrigens ein Missverständnis: Ein Balkonkraftwerk speist maximal 800 Watt ein, das sind bei 230 Volt nur rund 3,5 Ampere. Das überlastet eine übliche 16-Ampere-Leitung nicht. Im Gegenteil: Der eingespeiste Strom senkt den Strom, den der Leitungsschutzschalter sieht. Fliegt also ausnahmsweise der LS genau beim Einstecken, deutet das eher auf einen Kurzschluss, einen Verdrahtungsfehler oder einen defekten Wechselrichter hin, nicht auf zu viel Leistung.

Die häufigsten Ursachen (FI)

  1. Feuchtigkeit (Nummer eins). Nässe in der Außensteckdose, im Stecker oder in den MC4-Verbindern erzeugt Kriechströme. Typisch: Der FI fliegt morgens bei Tau oder nach Regen.
  2. Beschädigte Kabelisolierung. Ein Marder- oder Quetschschaden am Kabel.
  3. Isolationsfehler im Wechselrichter. Ein interner Defekt. Bei manchen Geräten zeigt eine dauerhaft rote LED einen Erdschluss (GFDI) an, siehe Wechselrichter blinkt rot.
  4. Summenfehlerströme. Mehrere kleine Ableitströme im Haushalt addieren sich und drücken einen an sich gesunden Stromkreis über die 30-mA-Schwelle.

Schritt für Schritt beheben

  1. Balkonkraftwerk ausstecken und den FI wieder einschalten. Hält er jetzt? Dann sitzt der Fehler im Balkonkraftwerk (Stecker, Kabel, Wechselrichter), nicht in der Hausinstallation.
  2. Steckverbindungen trocknen. Außensteckdose, Schuko-Stecker und MC4-Verbinder auf Nässe prüfen und trocknen lassen. Danach erneut testen.
  3. Anderen Stromkreis testen. Läuft das Gerät an einer anderen (trockenen) Steckdose ohne Auslösen, spricht das für ein Feuchte- oder Kontaktproblem am ersten Standort.
  4. Kabel und Stecker ansehen. Sichtbare Schäden an der Isolierung?

Wann sofort zum Elektriker?

Ein FI, der wiederholt auslöst, ist ein Sicherheitshinweis, kein Ärgernis, das man wegdrücken sollte.

Häufige Fragen

Mein Balkonkraftwerk löst den FI aus, ist es kaputt?

Nicht unbedingt. Meist steckt Feuchtigkeit in Stecker oder Außensteckdose. Stecke das Gerät aus, trockne die Verbindungen und teste erneut. Löst der FI ohne Balkonkraftwerk weiter aus, liegt der Fehler nicht am Gerät.

Warum fliegt die Sicherung nur morgens oder nach Regen?

Klassisches Zeichen für Feuchtigkeit: Tau oder Regen führt zu Kriechströmen in Steckdose, Stecker oder Wechselrichtergehäuse, und der FI schaltet ab. Für Abhilfe sorgen wetterfeste, trockene Steckverbindungen.

Kann ein Balkonkraftwerk die Leitung überlasten?

Nein. 800 Watt sind nur rund 3,5 Ampere und überlasten keine normale 16-Ampere-Leitung. Der eingespeiste Strom senkt sogar den Strom am Leitungsschutzschalter. Fliegt der LS beim Einstecken, ist eher ein Kurzschluss oder Defekt die Ursache.


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