Verbraucht ein Balkonkraftwerk nachts Strom? Ehrliche Antwort
Armen Ter-Oganezov · 25. Juni 2026
Kurz gesagt: Ja, ein Balkonkraftwerk zieht nachts eine winzige Menge Strom – meist deutlich unter 0,05 Watt. Das kostet im Jahr nur ein paar Cent. Es per Zeitschaltuhr oder Smart-Steckdose abzuschalten, lohnt sich nicht und kann sogar mehr Strom kosten, als es spart. Hier die Zahlen.
Was passiert nachts überhaupt?
Ein normaler Balkonkraftwerk-Wechselrichter (ohne Speicher) braucht zum Arbeiten Sonnenlicht. Geht die Sonne unter, fehlt die Energie von den Modulen (der DC-Eingang), und der Wechselrichter hat schlicht nichts mehr umzuwandeln. Er fällt automatisch in einen Ruhezustand (Standby) und wacht morgens bei Sonnenaufgang von selbst wieder auf. In diesem Standby zieht die Elektronik nur noch einen Hauch Strom aus dem Netz.
Wie viel ist es konkret?
Die Hersteller geben den Nachtverbrauch direkt im Datenblatt an – und der ist winzig:
| Wechselrichter | Nachtverbrauch (Datenblatt) |
|---|---|
| APsystems EZ1-M | 20 mW (0,02 W) |
| Hoymiles HMS-2T-Serie | unter 50 mW (< 0,05 W) |
Eine reale Messung eines älteren Hoymiles HM-600 mit einer Mess-Steckdose ergab rund 0,18 W – etwas mehr als das Datenblatt verspricht, aber immer noch sehr wenig (und nahe der Messgenauigkeit solcher Steckdosen). Die kursierende Behauptung, ein Wechselrichter ziehe nachts „30 mA, also 6 Watt”, wurde in der Diskussion widerlegt und von anderen nicht bestätigt.
Was kostet das im Jahr?
Rechnen wir es bei einem Strompreis von 0,35 €/kWh durch:
- Datenblatt-Wert (unter 0,05 W): rund 0,4 kWh im Jahr → etwa 0,15 € pro Jahr.
- 20 mW (APsystems): etwa 0,06 € pro Jahr.
- Selbst der real gemessene 0,18-W-Fall: nur rund 0,55 € pro Jahr.
Wir reden also über Cent-Beträge im Jahr. Für diese Ersparnis lohnt sich kein Aufwand.
Warum nächtliches Abschalten nichts bringt
Viele überlegen, den Wechselrichter nachts per Smart-Steckdose oder Zeitschaltuhr vom Netz zu trennen. Das ist meist kontraproduktiv:
- Die Steckdose selbst frisst Strom. Eine WLAN-Steckdose zieht im Standby typischerweise 0,5 bis 1,5 Watt – also ein Vielfaches dessen, was der Wechselrichter nachts überhaupt verbraucht. Unterm Strich steigt dein Verbrauch, statt zu sinken.
- Schalten verschleißt. Wechselrichter sind für Dauerbetrieb ausgelegt, nicht fürs tägliche Ein- und Ausschalten. Jeder Einschaltvorgang ist eine kleine Belastung; regelmäßiges hartes Trennen kann die Lebensdauer verkürzen. Wenn du den Nachtverbrauch wirklich drücken willst, nutze – falls vorhanden – die Standby-Funktion in der App, statt die Stromzufuhr zu kappen.
Sicherheit: schaltet der Wechselrichter nachts richtig ab?
Ja. Jeder in der EU zugelassene Wechselrichter erfüllt die Norm VDE-AR-N 4105 mit dem sogenannten Inselbildungsschutz: Fällt das Stromnetz aus, trennt sich das Gerät im Millisekundenbereich selbst. Das betrifft den Netzausfall, nicht die Dunkelheit. Nachts ist der Grund fürs Stillstehen einfach das fehlende Sonnenlicht – das Gerät speist nichts ein und zieht nur den Milliwatt-Standby. Mehr zum Thema, wie wenig ungenutzt ins Netz fließen sollte, steht im Beitrag Nulleinspeisung.
Häufige Fragen
Verbraucht ein Balkonkraftwerk nachts Strom?
Ja, aber nur einen Bruchteil eines Watts (meist unter 0,05 W laut Datenblatt). Das sind wenige Cent im Jahr. Der Wechselrichter geht ohne Sonne in Standby und wacht morgens automatisch wieder auf.
Sollte ich den Wechselrichter nachts abschalten?
Nein. Eine Smart-Steckdose dafür verbraucht selbst mehr Strom (0,5 bis 1,5 W) als der Wechselrichter nachts spart, und häufiges Schalten verschleißt das Gerät. Lass ihn einfach durchlaufen.
Wie viel Standby-Strom ist normal?
Moderne Mikrowechselrichter liegen im Ruhezustand bei etwa 0,02 bis 0,05 W. Werte von einigen Zehntel Watt bei älteren Geräten sind auch noch unbedenklich.
Wie viel dein Balkonkraftwerk tagsüber liefert und was davon wirklich Geld spart, rechnest du im Ertragsrechner aus. Wie viel kWh pro Jahr realistisch sind, zeigt der Beitrag wie viel kWh pro Jahr.